Ein Säure-sensitiver Ionenkanal ist der Angriffsort für kleine Peptide aus dem Gift einer Kegelschnecke

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Univ.-Prof. Dr. rer. nat. S. Gründer

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Stefan Gründer

Leiter des Instituts für Physiologie

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Catharina Reimers , Cheng-Han Lee , Hubert Kalbacher , Yuemin Tian , Chih-Hsien Hung , Axel Schmidt , Lea Prokop , Silke Kauferstein , Dietrich Mebs , Chih-Cheng Chen , Stefan Gründer

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Kegelschnecken (lat.: Conus) gehören zu den Tieren, deren Gifte die größte Vielfalt an Toxinen aufweist. Viele dieser Toxine, die sogenannten Conotoxine, sind gut beschrieben und binden mit sehr hoher Spezifität und Affinität an Membranrezeptoren, insbesondere auch an Ionenkanäle. Sie eignen sich daher sehr gut, die Funktion dieser Kanäle aufzuklären und sind wichtige Instrumente der Grundlagenforschung geworden. Daneben bieten sie aber auch therapeutisches Potential, da sie die Entwicklung kleinmolekularer Pharmaka inspirieren können. Manchmal kommt das Toxin sogar direkt klinisch zum Einsatz, z.B. bei manchen sehr starken Schmerzen.

In ihrer in PNAS veröffentlichten Studie zeigen Wissenschaftler um Stefan Gründer vom Institut für Physiologie der RWTH Aachen, in Kollaboration mit Kollegen, u.a. von der Academia Sinica in Taiwan, dass eine Kegelschnecke, Conus textile, ein kleinmolekulares Peptid in ihrem Gift enthält, dass einen anderen chemischen Aufbau als Conotoxine hat und als cono-RFamid bezeichnet wird. Dieses cono-RFamid bindet an einen Säure-empfindlichen Ionenkanal, der als ASIC3 bezeichnet wird und auch schmerzhafte Säurereize signalisiert. Das cono-RFamid verstärkt die Antwort von ASIC3 auf Säure und potenziert Säure-induzierte Muskelschmerzen. Die Studie zeigt zum einen, dass Kegelschneckengifte neben Conotoxinen andere Komponenten mit spezifischen Zielmolekülen enthalten und unterstreicht zum anderen die Bedeutung des ASIC3 für die Genese mancher Formen von Muskelschmerzen.