Aachener Energieforschungszentrum öffnet seine Tore

19.10.2010

Energieforschung zum Anfassen gab es am 18. Oktober im E.ON Energy Research Center (E.ON ERC) der RWTH Aachen. Erstmals öffnete das Energieforschungszentrum auf dem Campus-Gelände die Tore seiner im vergangenen März eingeweihten Versuchshalle für technisch interessierte Besucher, um Beispielhaftes aus der Zukunft der Energieversorgung zu präsentieren. An interaktiven Exponaten, Versuchsaufbauten, Infoständen und im Verlauf von kurzen Vorträgen konnten zahlreiche Besucher – Studenten, Schüler und interessierte Bürger aus der Region – den Ingenieur-, Geo- und Wirtschaftswissenschaftlern des E.ON ERC „beim Denken zusehen und zuhören“.

 

Der Rundgang durch die Halle zu den Präsentationen der fünf Institute lieferte einen informativen Überblick über den breit gefächerten Forschungsansatz dieses Zentrums, der allerdings angesichts der umfangreichen Themenpalette nicht vollständig sein konnte. So war beim Institut „Automation of Complex Power Systems“ von Prof. Dr. Antonello Monti unter anderem ein selbständig fahrendes Modellauto zu bestaunen, das im Rahmen eines Studentenprojektes entstanden ist. Bei den von Prof. Dr. Christoph Clauser angeführten Geowissenschaftlern des Instituts „Applied Geophysics and Geothermal Energy“ konnte man lernen, wie sich die Suche nach geeigneten geothermischen Lagerstätten unter Kostengesichtspunkten optimieren lässt. „Hingeguckt beim Energieverbrauch. Wohin geht die Energie?“, hieß es beim Institut „Energy Efficient Buildings and Indoor Climate“ von Prof. Dr. Dirk Müller. Hier standen energieeffiziente Hausfassaden, die Fahrzeugklimatisierung und die Speicherung von Wärme und Kälte im Vordergrund. Mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern des von Prof. Dr. Reinhard Madlener geleiteten Instituts „Future Energy Consumer Needs and Behavior“ konnte man sich darüber auseinandersetzen, warum sich selbst tolle innovative Ideen nicht so schnell durchsetzen, wie es zu wünschen ist. Beim Institut „Power Generation and Storage Systems“ von Prof. Dr. Rik W. De Doncker stießen neben dem Modell einer Redox-Flow Batterie – das Thema Energiespeicherung wird mit dem Ausbau der Erneuerbaren immer wichtiger – und modernen Bauelementen der Leistungselektronik vor allem das Elektroauto und der Elektroroller auf außerordentlich großes Interesse bei Jung und Alt.

Anlass für diesen Tag der offenen Tür war der offizielle Beginn der Bauarbeiten an der dritten und letzten Stufe der baulichen Maßnahmen: In unmittelbarer Nachbarschaft zur Versuchshalle und zum derzeitigen Büro- und Seminargebäude entsteht an der Mathieustraße ab sofort ein Hauptgebäude, das auch in punkto Energieversorgung einiges zu bieten hat. „Ein Gebäude, in dem zum Thema Energieeffizienz geforscht wird, muss gerade in dieser Hinsicht vorbildlich sein. Wir sind froh, dass mit Prof. Dr. Dirk Müller vom E.ON ERC ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW bei der Konzeption und Umsetzung eines beispielhaften Energieversorgungskonzeptes unterstützt“, erklärte Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg anlässlich des Baubeginns. Neben der Nutzung der bodennahen geothermischen Energie gehören dazu dezentrale Lüftungsgeräte in den Fassaden, ein Blockheizkraftwerk, eine Wärmepumpe und die Nutzung der Photovoltaik. Sogar die Abwärme der Server, von denen es bei Ingenieurwissenschaftlern nicht wenige gibt, wird „eingefangen“ und für die Raumheizung eingesetzt.

Professor De Doncker, der neben seinem Institut auch das Energieforschungszentrum leitet, zeigte sich an diesem ersten Tag der offenen Tür sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung des E.ON ERC. „Wir arbeiten mit stetig wachsendem Erfolg und auch die anfangs schwierige räumliche Situation wird immer besser. Inhaltlich decken wir mit den Forschungsthemen der fünf Institute aus vier Fakultäten weite Teile dessen ab, was die Bundesregierung gerade als Energiekonzept für die Zeit bis 2050 verabschiedet hat, wie beispielsweise Smart Grids, Smart Metering und Smart Homes. Und dass wir inzwischen mit renommierten Forschungseinrichtungen in aller Welt, von den USA und Kanada über Norwegen, Dänemark, die Schweiz und Großbritannien kooperieren, zeigt ebenfalls, dass wir uns mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg befinden.“

Prof. Dr. Klaus-Dieter Maubach, Mitglied des Vorstandes der E.ON AG, betonte in seinem Grußwort die große Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit an der Aachener Hochschule und speziell am E.ON ERC für eine erfolgreiche Forschung an der Energiezukunft. Genau wisse letztlich niemand, wohin die Reise gehe. Gerade deshalb seien der Blick über den fachwissenschaftlichen Tellerrand und eine breite Aufstellung so wichtig. „Niemand kennt heute eine eindeutige Lösung für die Energiezukunft. Es gibt viele Lösungsansätze, die verfolgt werden müssen. Genau deshalb sind wir hier als Partner dabei.“

Kontakt: press-office@eonerc.rwth-aachen.de

Stand: 10/2010