UFO an der RWTH

19.09.2014

Neues Forschungsvorhaben befasst sich mit der Lebensqualität in Städten

  Das Projekt „Urban Future Outline“ (UFO) Urheberrecht: Peter Winandy Das Projekt „Urban Future Outline“ (UFO) ist ein neues Forschungsvorhaben im Projekthaus HumTec der RWTH.

RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg nannte es in einem Zeitungsinterview ein Beispiel für gelungene Interdisziplinarität von Geistes- und Gesellschaftswissenschaften mit den Ingenieur- und Naturwissenschaften: „So befasst sich im RWTH-Projekthaus HumTec ein neues Forschungsvorhaben unter dem Titel UFO mit der Gestaltung der Lebensqualität in Stadtquartieren im Kontext von Mobilität, Stadtstruktur und Energiewende.“ Finanziert wird UFO aus dem so genannten Boost-Fund der RWTH – mit dessen Mitteln soll noch nicht etablierten interdisziplinären Forschungsfeldern ermöglicht werden, sich innerhalb einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren zu entwickeln.

Urban Future Outline, kurz UFO genannt, wird aktuell von einem 12-köpfigen Verbund von Antragstellern aus Natur- und Sozialwissenschaftlern, Ingenieuren und Informatikern aus sechs RWTH-Fakultäten getragen. Die geplanten Aktivitäten werden drei Schwerpunkte haben: „Future Ecosystem“ befasst sich mit Umwelt- und Gesundheitsbelastungen im urbanen Raum und „Future Mobility“ mit der öffentlichen Kommunikation von neuen Mobilitätskonzepten und Verkehrsplattformen. „Future Energy“ entwickelt eine Roadmap zur umweltgerechten und nachhaltigen Energiewende. Entlang dieser Säulen ist die Akzeptanz der Bewohner für die Realisierbarkeit und den Erfolg zukünftiger Wohn-, Energie- und Mobilitätskonzepte entscheidend.

Zukünftiges Leben in der Stadt

Ein Großteil der Weltbevölkerung lebt heute in städtischen Räumen und wünscht sich lebenswerte Quartiere mit einem hohen Anteil an Grün, sauberer Luft, geringem Lärmpegel und angenehmer Umgebungstemperatur. „Solche Räume erfordern eine vielschichtige Betrachtung, was bisher nicht ausreichend geschah“, so Kommunikationswissenschaftlerin Professorin Martina Ziefle, die mitverantwortlich für die Koordination des Projekts ist. UFO möchte eine integrative Methode entwickeln, die auch kombinierte Belastungen einbezieht, wenn sich beispielsweise Hitze, Lärm und Feinstaub überlagern und verstärken.

Im Teilprojekt „Future Ecosystem“ unter Leitung des Geographen Professor Christoph Schneider und der Akustikexpertin Professorin Janina Fels werden thermische, lufthygienische, akustische und akzeptanzrelevante Faktoren analysiert. Modellhafte Untersuchungsgebiete sind öffentliche Räume in Aachen, Düsseldorf und Berlin, die sich in Größe und Struktur unterscheiden. Die Ergebnisse werden in der virtuellen Umgebung der aixCAVE der RWTH dargestellt. So soll ein Tool entstehen, mit dem Stadträume bewertet und verantwortlich geplant werden können.

In einer ersten Meß- und Befragungskampagne wurden fünf Standorte rund um den Aachener Elisenbrunnen ausgewählt. Um die individuelle Wahrnehmung der Plätze zu bestimmen, zeichnet man die Umwelteinflüsse mit komplexer Messtechnik zu Meteorologie und Akustik auf. Parallel dazu flossen Aussagen aus Passanteninterviews in die Datenerfassung ein.

Bedürfnisse der Bevölkerung

Neben einfachen, nutzbaren und vernetzten Mobilitätsangeboten ist auch eine zielgruppengerechte und offene Ansprache notwendig. „Stuttgart 21 oder die Ablehnung der Campusbahn in Aachen haben gezeigt, wie sensibel die Bürger auf die Informationspolitik reagieren“, sagt Martina Ziefle rückblickend.

In „Future Mobility“ koordinieren Bauingenieur Professor Dirk Valleé und Linguistin Professorin Eva Jakobs die Forschung zu Bedarfen, Potenzial und Grenzen öffentlicher Kommunikation bei der Planung und Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte. Sie möchten Ideen, Vorschläge und Vorstellungen von Bürgern in eine nachhaltige Verkehrs- und Stadtplanung integrieren. Um die Meinungsbildung nachvollziehen zu können, befragen sie die Aachener Bevölkerung zu ihrer damaligen und heutigen Sicht zur Campusbahn. Dazu Ziefle: „Wir identifizieren die individuellen Mobilitätsanforderungen von Stadtbewohnern und berücksichtigen genderspezifische Bedarfe über die Lebensspanne.“ Eine Familie mit Kindern hat zum Beispiel ein an­deres Mobilitätsmuster als eine alleinstehende Person, ein Student ein anderes als ein Berufstätiger.

Akzeptanzforschung und internationale Kooperationen

Akzeptanz spielt auch auf dem Weg des Energiesystems hin zu den erneuerbaren Energien eine Rolle. In „Future Energy“, gemeinsam geleitet vom Energienetzexperten Professor Armin Schnettler und von Professorin Ziefle, wird ein ganzheitlicher Bewertungsansatz mit ökonomischen, ökologischen, technischen und soziologischen Faktoren gewählt. Das Institut für Hochspannungstechnik analysiert und entwickelt konsistente Zukunftsszenarien für eine Energieversorgung in Deutschland bis zum Jahr 2050 im gesamteuropäischen Kontext. Das Institut für Umweltforschung erforscht die ökologischen Aspekte der Energiewendeszenarien. Die Arbeitsgruppe Klimatologie untersucht an exemplarischen Standorten das Windfeld und das Windenergiepotenzial. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive wird betrachtet, wann und unter welchen Umständen Stakeholder bereit sind, die Energiewende mitzutragen.

Auf internationaler Ebene wurde von UFO gemeinsam mit dem RWTH-Brasilienbeauftragten Professor Michael Vorländer bereits eine Kooperation mit der Universidade Federal do Rio de Janeiro in Brasilien initiiert. In Rio fand ein Auftaktworkshop statt, unterstützt vom DAAD und dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo. „Wir konnten damit die interkulturellen Ansätze vertiefen und eine langfristige Vereinbarung zur Studierendenmobilität beider Universitäten auf den Weg bringen“, berichtet Ziefle.

Celina Begolli

Weitere Forschungsthemen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der RWTH-Insight.

 

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