Univ.-Prof. Dr.med. Tom Lüdde erhält zweiten ERC-Grant

Der RWTH-Professor Tom Lüdde hat nach seinem Starting Grant die Zusage für einen Consolidator Grant erhalten.

  Univ.-Prof. Dr. med. Tom Lüdde Peter Winandy

Professor Tom Lüdde ist ein Mann der ersten Stunde. Der Europäische Forschungsrat ERC (European Research Council) hatte gerade ein neues Instrument installiert, um herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt zu fördern. Die sogenannten Grants sollten exzellente grundlagenorientierte und visionäre Projekte vorantreiben. Lüdde schrieb einen Antrag, es war sein erster Förderantrag überhaupt. Nur drei Prozent aller Anträge waren am Ende erfolgreich, einer davon kam von Tom Lüdde vom RWTH-Lehrstuhl für Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie und Stoffwechselkrankheiten. Es war ein sogenannter Starting Grant, den er erhalten konnte. Nun ist Lüdde ein weiteres wissenschaftliches Kunststück gelungen: Er hat erneut einen solchen Grant eingeworben, einen Consolidator Grant. „Das ist eine herausragende Leistung. ERC Grants sind wichtige Indikatoren für die Leistungsfähigkeit der RWTH“, kommentiert Professor Rudolf Mathar, Prorektor für Forschung.

Der ERC unterscheidet in Starting, Consolidator und Advanced Grants. Die Erfahrung eines Wissenschaftlers ist ausschlaggebend dafür, für welchen er sich bewerben kann. Dass ein Wissenschaftler zwei in Folge einwirbt, ist die Ausnahme. Entsprechend groß war die Freude bei Lüdde. „Das war schon ein riesiges Glücksgefühl“, erzählt Lüdde vom Moment, als ihn die Zusage erreichte.

Lüdde beschäftigt sich mit seiner Arbeitsgruppe an der Uniklinik RWTH Aachen mit den molekularen Mechanismen, die die Entstehung von Leberkrebs auf der Basis einer Fettlebererkrankung regulieren. Eine Fettlebererkrankung ist die am meisten verbreitete Form einer Lebererkrankung in westlichen Industrienationen. Sie entsteht zum Beispiel durch eine ungesunde Lebensweise und Übergewicht, es spielen aber auch genetische Faktoren und Umwelteinflüsse eine mögliche Rolle. Weniger bekannt ist, dass ein Teil der Patientinnen und Patienten ein Risiko hat, eine Krebserkrankung der Leber zu entwickeln. In ihrer bisherigen Forschungsarbeit konnte die Arbeitsgruppe zeigen, dass Leberzellen durch verschiedene Stress-Faktoren, zum Beispiel eine übermäßige Verfettung, auf unterschiedliche Arten „kontrolliert“ absterben können.

Solche „Selbstmordprogramme“ liegen in allen Körperzellen vor und können verschiedene Reaktionen in umliegenden Leber- oder Immunzellen hervorrufen. Lüdde wird mit der ERC-Förderung untersuchen, welche Schlüsselmoleküle in Leberzellen den Zelltod durch Verfettung hervorrufen und welche Signalstoffe von der sterbenden Leberzelle ausgestoßen werden, um andere Zellen zur Entzündung und Zellwachstum als Grundlage der Krebsentstehung anzuregen. Ziel ist, anhand solcher Erkenntnisse besser erkennen zu können, welche Patienten mit einer Fettlebererkrankung ein besonders hohes Risiko für eine Krebsentstehung haben und wie man diesen Prozess mit neuen Medikamenten aufhalten kann. „Es ist ein ehrgeiziges Projekt, am Ende wollen wir ein Therapiekonzept entwickeln und es so weit bringen, dass es in einer klinischen Studie getestet werden kann“, erläutert Lüdde. Die ERC-Förderung ist für Lüdde extrem wertvoll. Schon der erste Grant habe ihm „die nötigen Freiheiten gegeben, die gesteckten Ziele zu erreichen“.

Tom Lüdde

Tom Lüdde war an der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Lineberger Cancer Center in North Carolina/USA, dem European Molecular Biology Laboratory so wie der Universität zu Köln tätig. Seit 2007 ist er an der Uniklinik RWTH Aachen, seit 2014 als Inhaber eines durch die Deutsche Krebshilfe geförderten Stiftungslehrstuhls (W3) für Gastroenterologie, Hepatologie und Hepatobiliäre Onkologie und leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik III.

Redaktion: Presse und Kommunikation