Amithaba Ghosh

 
Aufenthalte an der RWTH Aachen von 1977 bis 1978, 1980, 1983, 1990, 1995, 2003, 2008, 2012 im Rahmen der Humboldt-Förderung
Informationen über unseren Alumnus Professor Dr. Amithaba Ghosh erhielt 1964 seinen Masterabschluß in Maschinenbau vom Bengal Engineering College, Shibpur, (Calcutta University). Während seiner anschließenden Lehrtätigkeit am College führte er sein Promotionsstudien weiter und erlangte 1969 den Doktorgrad an der Calcutta University. 1979 begann er als Juniorprofessur für Maschinenbau am IIT Kanpur und habilitierte 1975. In den Jahren 1977 bis 1978 verbrachte er einen Forschungsaufenthalt an der RWTH Aachen gefördert durch die Alexander von Humboldt-Stiftung und kehrte auch danach für mehrere Forschungsaufenthalte nach Aachen zurück. Von 1997 bis 2002 war er Direktor des IIT Kharagpur und ging danach zurück ans IIT Kanpur wo er bis 2006 als Professor lehrte. Im Anschluss fungierte er als Senior Scientist der Indian National Science Academy in Neu Delhi und als Honorarprofessor am IIT Kanpur und der Bengal Engineering & Science University in Shibpur bis 2011. Derzeit ist Prof. Ghosh ein Platinum Jubilee Senior Scientist der National Academy of Sciences in Indien und Honorarprofessor am Institut für Luftfahrttechnik und Angewandte Mechanik an der Bengal Engineering & Science University, Shibpur.

 

Interview mit Amithaba Ghosh

Urheberrecht: privat

Weshalb entschieden Sie sich, an der RWTH Aachen zu studieren oder einen Forschungsaufenthalt zu absolvieren?

Eines meiner Wahlforschungsgebiete ist Kinematik und Maschinendynamik. Das Institut für Getriebetechnik und Maschinendynamik, kurz IGM, an der RWTH Aachen ist das größte und eines der angesehensten Fachinstitute in diesem Studien- und Forschungsgebiet auf der Welt. Außerdem lag mir mehr daran an einer europäischen Spitzenuniversität Erfahrungen zu sammeln als nach Großbritannien oder in die USA zu gehen. Die Wahl der RWTH Aachen war daher am naheliegendsten. Schließlich ist die RWTH Aachen in Sachen Ingenieurwesen ein sehr bekannter Name, auch außerhalb Deutschlands.

Erinnern Sie sich an Ihre ersten Tage in Aachen? Was waren Ihre Eindrücke damals?

Aber natürlich, sogar sehr gut! Ich entschloss mich damals, einen viermonatigen Deutschkurs, statt des üblichen zweimonatigen Kurses, zu belegen und war daher am Goethe-Institut in Iserlohn von Februar bis März 1977. Nach Aachen kam ich dann am 1. März im Jahr 1977 um das IGM zu besuchen und Professor Günther Dittrich zu treffen, den damaligen Institutsdirektor. Es war ein eisig kalter, aber klarer Tag, weil es die Nacht zuvor heftig geschneit hatte. Dies war eine absolut aufregende Erfahrung für mich, denn schließlich war das meine allererste Begegnung mit Schnee! Im Institut versuchte ich, meine dann zukünftigen Kolleginnen und Kollegen auf diesen herrlichen blauen Himmel aufmerksam zu machen, aber sie hatten überhaupt keinen Sinn dafür. Alle sagten nur „Aber es ist kalt!“ Schon in der ersten Zeit in Aachen während meines kurzen Aufenthaltes fühlte ich mich wie zuhause, schließlich kam ich auch von einem akademischen Campus, dem des IIT Kanpur, und Aachen ist ebenfalls überwiegend eine Universitätsstadt.

Was lernten Sie an der RWTH Aachen, was für Ihre spätere akademische Laufbahn hilfreich war?

Der größte Nutzen für mich war die Möglichkeit, ein tieferes Verständnis für die Themen Kinematik und Dynamik zu erlangen. So half ich im Institut dabei, ein interessantes Problem aus der Industrie zu lösen. Durch diese Erfahrung ergab sich mir die Möglichkeit, auch ein mittlerweile international sehr bekanntes Lehrbuch zu schreiben, zusammen mit Professor Dittrich und meinem früheren Studenten und Humboldt-Stipendiaten am IGM. Ich lernte außerdem eine sehr effektive Art kennen, Kinematik mit der Hilfe von vielfarbigen transparenten Modellen zu unterrichten, die ich dann mit dem Overhead-Projektor projizierte. Dia-Projektoren waren nicht sehr beliebt in den Achtzigerjahren, also führte ich diese Technik in Indien ein. Außerdem traf ich viele sehr bekannte Wissenschaftler aus meinem Fach und die Diskussionen mit ihnen halfen mir sehr, das Forschungsgebiet noch besser zu verstehen.

  Amithaba Ghosh 1977 vor dem Bau des Klinikums in Aachen Urheberrecht: privat

Was war die für Sie bereicherndste Erfahrung aus Ihrer Zeit in Aachen?

Es ist schwierig, eine einzelne Erfahrung oder einen Moment dieser Art zu benennen. Aber ich muss sagen, es gab mehrere kleinere Gegebenheiten während meiner verschiedenen Aufenthalte in Aachen, die einen großen Einfluss hatten. Als ich 1977 nach Aachen kam und für ein Jahr blieb war dies mein erster Aufenthalt außerhalb Indiens und viele Erlebnisse damals waren sehr interessant und einflussreich.

Stellen Sie sich vor, ein Student oder eine Studentin fragt Sie, ob er oder sie einen Forschungsaufenthalt oder ein Austauschsemester an der RWTH Aachen verbringen sollte. Was wäre ihre Antwort?

Sollte mich ein Studierender im Bereich Maschinenbau um Rat fragen, würde ich ihr oder ihm auf jeden Fall die RWTH Aachen empfehlen. Die RWTH Aachen ist eine gut etablierte technische Hochschule, die auf eine starke Grundlage der praktisch angewandten Ingenieurwissenschaften baut. Für Studierende, die Interesse an Aufbaustudien in den grundlegenden Ingenieurwissenschaften in nicht-interdisziplinären Bereichen haben, ist die RWTH Aachen eine hervorragende Adresse. Da es außerdem in Deutschland keine Studiengebühren per se gibt, ist die Universität sehr gut für Studierende geeignet, die sich keine extrem hohen Gebühren leisten können.

Gibt es noch etwas, was sie gerne erwähnen möchten?

Aachen ist eine sehr interessante Stadt, dadurch, dass sie am Dreiländereck liegt. Noch dazu ist sie als Universitätsstadt mit einer großen studentischen Bevölkerung sehr kosmopolitisch und nicht allzu konservativ eingestellt. Mit etwas mehr Einsatz der Stadtverwaltung und der RWTH Aachen hat diese Stadt sicherlich das Potential, ein größeres internationales Kulturzentrum zu werden. Dafür müsste man auf formalem Wege internationale Kulturgruppen gründen, welches, wenn gewollt, sicherlich ohne Mühen machbar wäre. Ich denke, dieses Potential ist noch nicht genügend ausgeschöpft.