Baatar Battsengel

 

Baatar Battsengel aus der Mongolei ist heute Chemieprofessorin an der Deutsch-Mongolischen Hochschule für Rohstoffe und Technologie (GMIT) in Ulaanbaatar. Sie promovierte an der RWTH am Institut für Makromolekulare und technische Chemie von 1999 bis 2002.

Pionierarbeit zweier Länder – RWTH-Forscher-Alumna Baatar Battsengel unterstützt den Aufbau einer Deutsch-Mongolischen Hochschule

  Dr. Baatar Battsengel Urheberrecht: GMIT Baatar Battsengel war früher RWTH-Doktorandin, heute kooperiert sie mit der RWTH für den Aufbau der GMIT in ihrem Heimatland, der Mongolei.

Die Errichtung der Deutsch-Mongolischen Hochschule für Rohstoffe und Technologie DMHT (GMIT – German-Mongolian Institute for Resources and Technology) brauchte von der Idee und der Grundsteinlegung mit einem neuen Campus bis zur ersten Vorlesung nur zwei Jahre. In den seltensten Fällen werden Projekte wie diese so schnell realisiert.

„Es fehlten Ingenieure in der Mongolei“, erklärt die ehemalige Doktorandin und Forscher-Alumna der RWTH und heutige Chemieprofessorin an der Deutsch-Mongolischen Hochschule (GMIT) den Grund für die deutsch-mongolische Zusammenarbeit, insbesondere für die Rohstoffverarbeitungsindustrie. Professorin Baatar Battsengel aus der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar erzählt bei ihrem Besuch in Aachen über die Hintergründe. Sie will heute nicht nur ihre deutsche Alma Mater und ihren ehemaligen mongolischen Studentenverein MoSta, dem sie in seinem Gründungsjahr 2004 angehörte, wiedersehen. Sie hat vor allem ambitionierte Zukunftspläne. Vorsichtig holt sie dafür den Vertrag aus ihrer Tasche und zeigt ihn uns als wichtigen Zeitzeugen für eine neue zukünftig besiegelte Hochschulpartnerschaft. Bald nämlich soll auch die RWTH den Aufbau der neuen Hochschule in ihrem Heimatland unterstützen. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor 20 Jahren fiel in der Mongolei die Ingenieursausbildung weg. Im 2011 unterzeichneten Rohstoffabkommen zwischen der Mongolei und Deutschland bildet seit jeher das Unikat deutscher Ingenieursausbildung einen wesentlichen Grundstein.

 

Sie halten einen Vertrag in der Hand mit den Unterschriften unter anderem des neuen Rektors der GMIT Dr. Nyamjav Dorjderem und des Rektors der RWTH Professor Ernst Schmachtenberg. Was beinhaltet und besiegelt er im Genauen?

Er beinhaltet die Partnerschaft der RWTH mit der neuen Hochschule für Rohstoffe und Technologie (GMIT) in Nalaikh bei Ulaanbaatar. Die RWTH soll vor allem für den gemeinsamen Aufbau der GMIT mit ihrer deutschen Expertise in Lehre und Forschung unterstützend wirken. Wir streben dabei an, den seit über 20 Jahren bestehenden Austausch von mongolischen Studierenden an der RWTH auszubauen. Aktuell studieren 20 mongolische Studierende an der RWTH. Ich bin ja selbst damals, das war von 1999 bis 2002, für meine Promotion über ein mongolisches Regierungs- und DAAD-Stipendium nach Aachen gekommen.

An die GMIT sollen umgekehrt RWTH-Professoren aus den Bereichen des Rohstoffingenieurwesens, des Umweltingenieurwesens und Maschinenbaus entsendet werden. Neben der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem deutschen akademischen Austauschdienst DAAD unterstützt dort dann auch die RWTH als zweite Partnerschule neben der TU Freiberg die Entwicklung der Bachelor- und Masterstudiengänge und die Ausbildung von mongolischen Lehrkräften für den Eigenbetrieb der GMIT.

Für die versäumte Ingenieursausbildung in der Mongolei soll nun eine völlig neue Ingenieurshochschule Abhilfe schaffen, obwohl die zweitgrößte nationale Universität eine technische Hochschule ist?

Nachdem Bundeskanzlerin Merkel und unser Präsident Elbegdorj das Rohstoffabkommen unterzeichneten, sollten ein deutsches und ein mongolisches Team überprüfen, wie die Ingenieursausbildung am besten zu leisten sei, ob in Form einer neuen Fakultät an der technischen Universität oder durch eine neue Universität, und wenn ja, mit welchen Studiengängen. Eine wichtige Erkenntnis dabei war, dass ein Andocken an die zweitgrößte Mongolische Universität für Wissenschaft und Technologie (NUM) als Lösung falsch gewesen wäre. Zu alt waren die universitären Strukturen, die noch aus der Sowjetzeit stammen. Hierbei wurde an einer Universität ausschließlich gelehrt und an einer davon unabhängigen Science Akademie geforscht. Wie am Beispiel der RWTH wissen wir aber heute alle, dass auch an der Universität erfolgreich geforscht werden kann. Für unsere Pläne müssten die mongolischen Universitäten erst einmal ihre Struktur ändern. Als Professorin konnte ich an einer großen Universität wie der NUM bisher nur Labore für Studium und Forschung für Studierende aufbauen. Aber ich möchte für das Ausbildungssystem der Mongolei mehr bewegen. Und um nachhaltig den deutschen Qualitätsstandard, den Mongolen im Übrigen sehr an den Deutschen schätzen, in Bildungsprogrammen einzuführen, war da für uns die einfachere Lösung, eine neue unabhängige Uni aufzubauen.

 

Sie sagen „für uns“. Wie kamen Sie persönlich zum Projektaufbau der GMIT?

Als sich 2011 das Assessment-Team für die Machbarkeitsstudie gebildet hat, besuchte es auch die die Nationaluniversitäten, um mit Fachleuten zu sprechen. Als das Team an die NUM kam, hat uns der Rektor zum Meeting und den darauffolgenden hinzugeholt. Ich war auch gleich von der Idee für eine Ingenieurshochschule begeistert. Ich hatte ja in Aachen promoviert und mein Doktorvater Professor Andreas Jess ist chemischer Verfahrenstechniker, aber dennoch ingenieurstechnisch! Daher ist meine Ausbildung auch für die Rohstoffverarbeitung interessant und themennah. Für mein Bedürfnis, in der Mongolei mehr zu bewegen, nutze ich die Chance, als an der GMIT eine Professorenstelle für Chemie ausgeschrieben wurde. Ich habe mich sofort darauf beworben – warum nicht, dachte ich. Mein Glück, ich habe sie bekommen!

Wie sehen das Konzept und der Aufbau der GMIT aus? Was soll so anders sein als an den anderen nationalen Universitäten der Mongolei?

Die GMIT soll ein Leuchtturm in der mongolischen Hochschulausbildung werden. Das ist das Konzept von deutscher wie mongolischer Seite gewesen. Auch die Beihilfe durch die Rohstoff verarbeitenden Firmen ist ein wichtiger Motor. Durch den staatlichen Vertrag „Bauen und Bildung“ werden die Firmen verpflichtet, das mongolische Ausbildungssystem mit ihren Erlösen aus den natürlichen Ressourcen unseres Landes zu unterstützen. Somit haben wir in kürzester Zeit einen neuen, schönen Campus erhalten, der gerade von dem größten Erzminenbesitzer Oyu-Tolgoi erbaut wurde. In die neu entstandenen Räumlichkeiten durfte dann direkt die GMIT einziehen. Das ging Zack auf Zack. Daraufhin folgten unseren Plänen für das Professorengrundstudium die ersten mongolischen Mathematik- und Physik-Professoren, die auch wie ich in Deutschland promoviert hatten und in Amerika nötige Forschungserfahrungen sammelten.

Auch unser Administrativteam ist innerhalb eines Jahres gewachsen. Stellen Sie sich vor, in nur zwei Jahren Vorbereitungszeit gab es 2013 schon die ersten 70 Studierenden. Wir erwarten bald 100. Auf den deutschen Zuspruch hin haben wir uns für eine Aufnahmeprüfung entschieden, damit die Qualität erhalten bleibt und die Studierenden im Englischen so gut sind, dass sie den Gastprofessoren aus Deutschland in den Vorlesungen folgen können. Das sind tolle Ambitionen der deutschen und mongolischen Partner.

 

Sie outen sich mit ihrem Engagement als Deutschlandliebhaberin, wie kommt das?

Warum ich Deutschland liebe, ist eine andere, sicherlich interessante Geschichte. Ich war damals in der sechsten Klasse. Da hatte mein Vater Besuch von zwei Herren aus der DDR, einer kam aus dem Medienbereich und hatte ein Buch überschrieben mit „Germany“ dabei. Es handelte von der DDR, er schenkte es mir und es zeigte mir wunderschöne Bilder von Landschaften, in die ich mich sofort verliebte. Seitdem wollte ich immer nach Deutschland gehen. Als die Wende kam, gab es dann auch die Möglichkeit, in Westdeutschland zu studieren. Während meines Masters erhielt ich nach all meinen Anstrengungen, Deutsch zu lernen, über das Bildungsministerium die Möglichkeit und begann an der RWTH meine Promotion. Das war 1998. Von da an verbrachte ich insgesamt acht Jahre in Deutschland, von 1999 bis 2002 an der RWTH, danach in Bayreuth als wissenschaftliche Mitarbeiterin, weil mein Doktorvater dorthin wechselte. In Deutschland habe ich dann letztendlich auch meine beiden Kinder zur Welt gebracht. 2006 kehrte ich wieder zurück in die Mongolei mit der Anstellung als Associative Professor für physikalische Chemie an die National University of Mongolia.

Ich habe seitdem versucht, meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus Deutschland immer in meine Arbeit mit einfließen zu lassen, insbesondere um das Forschen an Hochschulen zu fördern, zum Beispiel in Form von zwei Forschungslaboren und Publikationen von gesammelten Master- und Doktorarbeiten. Ich wurde dabei oft von deutscher Seite unterstützt. Ich möchte mich deswegen hiermit bei der GIZ und dem World University Service bedanken. Grundsätzlich möchte ich Danke sagen für alle Rückkehrmöglichkeiten nach Deutschland und die so wichtigen Unterstützungen im universitären Alltag. Beispielsweise kann ich durch das Sachmittelprogramm, unterstützt vom DAAD, meinen Studierenden jederzeit deutsch- und englischsprachige Bücher anbieten. Sie erinnern sich, mit einem Buch ist einst auch meine Liebe zu Deutschland entfacht worden.